Höhenlage

Einzelausstellung | solo exhibition 2022

 

Galerie und Kunsthandel Verena Konzert
Erlerstrasse 15
6020 Innsbruck

 

Dauer | Duration: 11.03.– 15.04.2022
ÖFFNUNGSZEITEN
Mo – Fr: 09.00 – 12.00 und 15.00 – 18.00 Uhr

 


 

In der historischen Betrachtung erweist sich der alpine Raum auf vielfältige Weise nutzbar. Die Landwirtschaft, die die erste Form der wirtschaftlichen Nutzung der Alpen darstellte, ist heute noch genauso präsent wie vor Tausenden von Jahren. Weitere wichtige Wirtschaftsfaktoren waren lange Zeit der Bergbau und die Forstwirtschaft, die zwar heute weitgehend vom Tourismus abgelöst wurden, deren Auswirkungen auf die alpine Lebenswelt aber noch bis heute spürbar sind, denke man beispielsweise an das Lawinenunglück von Galtür im Jahre 1999. Für die von der im Tiroler Unterland angesiedelten Bergbauindustrie benötigten Holzmengen wurden seinerzeit weite Teile der Waldflächen im Tiroler Oberland gerodet. Der fehlende Schutzwald war die Ursache für dieses Unglück, das damit eine eindeutige und traurige Folgeerscheinung dieser bergbauwirtschaftlichen Nutzungsform darstellt. Mit der Industrialisierung und dem aufkommenden Alpinismus begann auch eine zunehmende touristische Nutzung unserer Berglandschaft. Damit einhergehend zeigte sich erstmalig eine „ästhetische Eroberung der Alpen“1, die heute nach dem Volkskundler Bernhard Tschofen in einer totalen Popularisierung des Alpinen gipfelt.
Die Folgen dieser verschiedenen Nutzungsarten werden beispielsweise in der Urbanisierung des ländlichen Raumes2 ersichtlich, wie sich auch eine zunehmende Veränderung der ursprünglich landwirtschaftlich genützten Kulturlandschaft zu einem Gelände für Abenteuersportarten jeglicher Art abzeichnet. Die ökologischen und kulturellen Folgen, – dass immer mehr Skipisten und Autobahnen unser Landschaftsbild prägen, sind mittlerweile zwar absehbar, eine weitere Entwicklung ist nicht gänzlich erfassbar.
Wie sich zeigt, haben die Industrialisierungsprozesse von Landwirtschaft, Bergbau und Tourismus unsere Landschaft mitgeformt und auch den Blick auf unsere Heimat beeinflusst.3 Dienten Seilbahnen ursprünglich vorrangig zum Gütertransport, werden diese im Zuge des aufkommenden Tourismus vermehrt für den Transport von Personen zu den Aussichtsplateaus verwendet. Der Blick auf die Landschaft veränderte sich, gleichermaßen wie sich auch die Bestellung von Grund und Boden veränderte.
Die Fahrt wird zu einem Erlebnis und bietet dem Blick neue Optionen. Für Paul Virilio ist es ein „kinematischer Aufnahmeapparat“, der das Auge in Bewegung versetzt und ein „Mittel zur Vergrößerung der Reichweite des menschlichen Blickes“4 darstellt.
Wird vielleicht bald die Betrachtung einer klischeehaften Idylle unserer schönen erholsamen Almgegend abgelöst von einem Blick der sportbegeisterten Adrenalinjünger?
Wird eine satte Almwiese in Hinkunft in den Augen mancher Extremsportler als mögliche Downhill-Strecke wahrgenommen werden?
Die Gesellschaft ist im Hochgebirge angekommen.
Mit der zunehmenden menschlichen „Nutzung des alpinen Raumes“, ist dieser auch mehr und mehr in den Fokus unserer Betrachtung gerückt. Lawinen- und Murenabgänge dienen der medialen Berichterstattung als Katastrophenmeldungen, „Kuhattacken“ erfordern ein Handeln auf politischer Ebene. Konflikte zwischen Jägern und Tourengeher bzw. Mountainbikern stehen an der Tagesordnung, Naturschützer kämpfen gegen Seilbahnbetreiber. Wie sich zeigt treffen im Gebirge nicht nur Mensch und Tier aufeinander, vielmehr ist dieser Raum zu einer Spielwiese verschiedene Interessensgruppen geworden.
Laut der Warnungen von wissenschaftlicher Seite, schmelzen uns die alpinen Gletscher vor der Nase weg; – bis dato sind die daraus resultierenden Auswirkungen für das Individuum kaum spürbar. Wie lange noch? Wird eine zunehmende Verstädterung der Alpen vonstatten gehen, wenn in den Tälern kein Platz mehr ist? In welcher Weise verändert die zunehmende Nutzung des Alpinen die identitätsstiftende Heimatassoziation der Alpen? Verwittert unsere Kultur gleichermaßen wie die Berge um uns erodieren?
Es wird deutlich dass Kultur und Landschaft sich gleichermassen in einem stetigen Wandel befinden. Wobei es doch auf jeden Schritt ankommt und diesen mit Bedacht zu setzen, wenn man in unwegsamen Gelände unterwegs ist.

 

1 TSCHOFEN, Bernhard: Berg Kultur Moderne. Volkskundliches aus den Alpen. Wien 1999, S.47

2 Vgl. : BÄTZING, Werner:
Die Alpen. Entstehung und Gefährdung einer europäischen Kulturlandschaft. München 1991

3 Anm.: Die touristische Nutzung ist mittlerweile in Form von Gruppen, wie zum Beispiel Alpenvereine und Naturfreunde traditionell verankert.

4 Vgl. VIRILIO, Paul: Rasender Stillstand. München/Wien 1992

 



 

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